Wie ehrliche Steuerzahler in eine Erbenfalle tappen können

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Die meisten Bürger zahlen jedes Jahr brav ihre Einkommensteuer, ohne in dem Zusammenhang daran zu denken, etwaige Einnahmen nicht anzugeben. Dennoch können selbst diese Bürger unwissentlich zu Steuerhinterziehern werden, nämlich im Zuge einer Erbschaft. Wird nämlich Schwarzgeld geerbt, so hat man es möglicherweise sogar mit der Steuerfahndung zu tun. In den vergangenen Monaten hat sich die Zahl der Personen, die in steuerlicher Hinsicht eine Selbstanzeige getätigt haben, drastisch erhöht. Dabei geht es in den meisten Fällen um Guthaben, die sich auf ausländischen Konten und Depots befinden und dem deutschen Steuerfiskus bisher nicht angezeigt wurden. Nicht selten kommt es jedoch vor, dass die betreffende Person das Depot bzw. Konto nicht selbst eröffnet, sondern im Zuge einer Erbschaft das Eigentum erworben hat. Ist dies der Fall, so hat der Erbe zunächst einmal die Pflicht, eine Erbschaftssteuererklärung abzugeben. Darüber hinaus kann eine weitere Pflicht darin bestehen, die anfallenden Erträge nachträglich zu erklären, falls die Festsetzung noch nicht verjährt ist. Dies ist unter der Voraussetzung notwendig, dass der Erblasser seine Guthaben bisher nicht ordnungsgemäß beim zuständigen Finanzamt angegeben hatte. Kommt der Erbe dieser Pflicht nicht nach, handelt sich um den Straftatbestand der Steuerhinterziehung.

Erbe muss nicht angegebene Erträge unverzüglich nachmelden

Nachmelden muss der Erbe solche Erträge, bei denen die Festsetzungsfrist von zehn Jahren noch nicht abgelaufen ist. Dies hat unverzüglich zu geschehen, also möglichst sofort nach dem Bekanntwerden des Versäumnisses. Erfolgt keine Nachmeldung oder wird diese mit erheblicher und schuldhafter Verzögerung vorgenommen, so handelt es sich dabei um einen bereits schwereren Fall der Steuerhinterziehung. Von einem besonders schweren Fall wir kannten mangelnder dann gesprochen, wenn der Hinterziehungsbetrag eine gewisse Grenze überschreitet, die derzeit bei 100.000 Euro liegt. Solche Beträge werden deshalb schneller erreicht, als viele Erben meinen, weil sich die nicht angegebenen Steuern natürlich in vielen Fällen auf mehrere Jahre beziehen. Hat der Erblasser beispielsweise über einen Zeitraum von neun Jahren hinweg jeweils einen noch vergleichsweise harmlos klingenden Betrag von jährlich 12.000 Euro nicht angegeben, so würde sich dies mit einem Schlag auf 108.000 Euro summieren. Was die Selbstanzeige betrifft, so ist hier bei Erbfällen ganz besondere Vorsicht geboten. Der Erbe kann sich nämlich nicht damit entschuldigen, dass er die Steuern nicht hinterzogen hat, sondern dass dafür der Erblasser verantwortlich gewesen ist.

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Oliver BaumannsAlle Artikel von Oliver Baumanns