Testierfähigkeit per Gutachten bestätigen oder anzweifeln

© kwarner - Fotolia.com
Immer häufiger geht es bei Rechtsstreitigkeiten, die ein Erbe bzw. ein Testament betreffen, darum, ob der Erblasser überhaupt testierfähig war. Nach deutschem Erbrecht ist die Testierfähigkeit eine unabdingbare Voraussetzung für die Gültigkeit einer Erbschaft, sodass es nur testierfähigen Personen möglich ist, ein rechtsgültiges Testament zu verfassen. Mit Testierfähigkeit ist also gemeint, dass die betreffende Person alle rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, um ein rechtswirksames Testament ausstellen zu können. Nicht selten versuchen vermeintlich benachteiligte Erben oder Personen, die im verfassten Testament leer ausgegangen sind, die Testierfähigkeit des Erblassers anzuzweifeln. Es ist jedoch relativ schwierig, eine bestimmte Person für testierunfähig erklären zu lassen. Letztendlich kann nur das Gericht darüber entscheiden, ob der Erblasser testierfähig oder testierunfähig war. Grundlage für die Entscheidung ist in nahezu allen Fällen ein ärztliches Sachverständigengutachten, wobei es sich beim Gutachter entweder um einen Psychiater oder um einen Neurologen handeln sollte. Grundsätzlich ist jede Person dazu berechtigt, ein solches Gutachten in Auftrag zu geben, welches die Testierfähigkeit oder eben die Testierunfähigkeit eines Erblassers bescheinigen soll. Ein solches Gutachten kann immer dann sinnvoll sein, wenn berechtigte Zweifel bestehen, dass der Erblasser testierfähig war. Es kann aber natürlich auch dann in Anspruch genommen werden, wenn andere Personen mittels eines separaten Gutachtens bereits die Testierunfähigkeit haben feststellen lassen. Nicht selten kann sich dann ein Gegengutachten lohnen, um letztendlich doch die Testierfähigkeit nachweisen zu können.

Zivilrechtliches Verfahren entscheidet über Testierfähigkeit oder Testierunfähigkeit

Die Entscheidung darüber, ob der Erblasser testierfähig oder testierunfähig war, wird letztendlich in einem zivilrechtlichen Verfahren vor Gericht getroffen. In vielen Gutachten geht es diesbezüglich vor allen Dingen darum, ob der zu Lebzeiten bereits nicht immer im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gewesene Erblasser auch „lichte Momente“ hatte. Kann dies nämlich bescheinigt werden und wurde das Testament nachweislich in einem solchen lichten Moment, in dem der Erblasser im Vollbesitz seiner geistigen Fähigkeiten war, verfasst, führt dies oftmals zur Bescheinigung der Testierfähigkeit. Auch aus diesem Grunde sollte sich der Gutachter möglichst gut neurologischen Bereich sowie im Thema Demenz auskennen. Nicht selten mangelt es nämlich bereits am Fachwissen des Gutachters, dass das erstellte Gutachten einer Prüfung bei Gericht oder Anfechtung durch die Gegenpartei nicht standhalten kann. Wer also in dieser Richtung ein Gutachten in Auftrag geben möchte, der sollte auf die Kompetenz des Gutachters großen Wert legen.

Über den Autor

Oliver BaumannsAlle Artikel von Oliver Baumanns

1 Kommentar

  1. donat, dr. med. peter f. 18. Juni 2015 Reply

    leider irren Sie aus meiner Kenntnis: eine Neurologe kann kein wirksames Attest erstellen, es fällt allein in den Bereich der Nervenärzte und Psychiater. verwechseln sie letztere bitte auch nicht mit den psychologischen Psychotherapeuten.
    wäre Ihnen dankbar, wenn Sie mir darauf eine Antwort gäben, nur so kann es fruchtbare Zusammenarbeit geben.

    mfg
    P.Donat
    FA f. Nervenheilkunde

    Steinsche Gasse 34
    47051 Duisburg

Kommentar schreiben

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*