Kinder beim Studium trotz Erbschaft unterstützen?

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Zukünftig möchten wir an dieser Stelle häufig auftretende Fragen rund um das Thema Erbschaft aufzeigen und beantworten. Heute beschäftigen wir uns daher mit der Frage, ob die unterhaltspflichtigen Eltern ihre Kinder auch dann finanziell beim Studium unterstützen müssen, falls das Kind ein nicht unbeträchtliches Vermögen geerbt hat. Vom Grundsatz her sind die Bürger hierzulande dazu verpflichtet, ihren Kindern eine Ausbildung oder auch ein Studium zu finanzieren. Es greift hier in gewissem Sinne die Unterhaltspflicht, die sich ebenfalls auf die Finanzierung einer solchen Weiterbildung erstreckt. Allerdings gibt es dennoch bestimmte Einschränkungen, denn die Eltern sind nicht in jedem Fall dazu verpflichtet, ihre Kinder finanziell zu unterstützen. Mitunter kommt es in der Praxis vor, dass der Sohn oder die Tochter etwas erben, sodass sich deren Vermögen aufgrund dieser Erbschaft deutlich erhöht oder erst bildet. In diesem Zusammenhang stellt sich dann für die Eltern oftmals die Frage, ob sie ihr Kind trotz dieser Erbschaft weiterhin finanziell beim Studium unterstützen müssen. Die meisten Rechtsexperten sind sich bezüglich dieser Frage einig, dass zunächst keine weitere Unterstützung erfolgen muss.

Vorhandenes Vermögen muss zunächst aufgebraucht werden

Auch wenn Kinder grundsätzlich den Anspruch haben, dass ihnen eine Ausbildung oder ein Studium von den Eltern finanziert wird, so gilt dies jedoch nur für den Fall, dass die Kinder kein eigenes Vermögen haben. Zwar kann der Sohn oder die Tochter nicht gezwungen werden zu arbeiten, um damit den Lebensunterhalt während des Studiums zu verdienen. Auf der anderen Seite ist den Eltern aber auch nicht zuzumuten, ihre Kinder finanziell zu unterstützen, falls die Kinder über eigenes Vermögen verfügen. Falls die Eltern getrennt leben, ist es so, dass beide zu gleichen Teilen für den Unterhalt während des Studiums aufkommen müssen. Was nun die Frage angeht, ob eine finanzielle Unterstützung auch nach einer Erbschaft des Sohnes bzw. der Tochter erfolgen muss, so kann diese verneint werden. Denn zur finanziellen Unterstützung sind die Eltern immer nur dann verpflichtet, falls das Kind nicht aus eigenen Mitteln für seinen Lebensunterhalt sorgen kann. In diesem Fall ist also die Eigenverantwortung des Kindes über die elterliche Unterhaltspflicht zu stellen. Dies beinhaltet dann auch, dass vorhandenes Vermögen, welches zum Beispiel aus einer Erbschaft resultiert, zunächst aufgebraucht werden muss. Erst wenn dieses Vermögen nicht mehr vorhanden ist, greift die Unterhaltspflicht der Eltern wieder.

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