Erben können Anteile an geschlossenen Fonds nicht vorzeig kündigen

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Bei Erbschaften geht es häufig um große Vermögen, die teilweise von einem auf den anderen Tag den Eigentümer wechseln. Nicht selten haben die jeweiligen Erben den Wunsch, vorhandene Sachwerte oder Beteiligungen zu liquidieren, sodass sie praktisch frei über das vorhandene Kapital verfügen können. Bei manchen Beteiligungsarten gestaltet sich dies Vorhaben jedoch sehr schwierig, wie zum Beispiel dann, wenn Anteile an geschlossenen Fonds vererbt wurden. Bei einem geschlossenen Fonds handelt es sich bekanntlich um eine Beteiligung an einer Gesellschaft, die es den Anlegern ermöglicht, über den Kauf der Anteile an bestimmten Projekten teilzuhaben. Ein wesentliches Merkmal solcher geschlossenen Fonds besteht darin, dass das Kapital über einen gewissen Zeitraum hinweg gebunden ist, die Anteile also bis zu einem festgelegten Zeitpunkt nicht an die Gesellschaft zurückgegeben werden können. Diese Tatsache ändert sich auch dadurch nicht, dass die Anteile den Eigentümer wechseln, was eben unter anderem im Zuge einer Erbschaft der Fall sein kann. Es gibt bereits mehrere Gerichtsurteile, die nahezu alle zu der Erkenntnis kommen, dass der Wechsel des Eigentümers aufgrund einer Erbschaft nicht dazu berechtigt, von dem entsprechenden Fonds die vorzeitige Rücknahme der Anteile zu verlangen.

Verkauf am Zweitmarkt als oftmals einzige Alternative

Da der Erbe quasi an die Stelle des Erblassers tritt, übernimmt er im Zusammenhang mit den Anteilen am geschlossenen Fonds sowohl dessen Rechte als auch dessen Pflichten. Vor allem die Pflichten beinhalten unter anderem, dass die Anteile erst zum festgelegten Zeitpunkt wieder an die Gesellschaft zurückgegeben werden können. Dennoch gibt es für den Erben häufig eine Möglichkeit, die Anteile vorher zu Geld machen zu können, nämlich durch den Verkauf am Zweitmarkt. Allerdings ist dieser Markt noch nicht besonders ausgeprägt, sodass es je nach Art des Fonds durchaus passieren kann, dass es mehrere Wochen, Monate oder sogar Jahre dauert, bis sich ein interessierter Käufer findet. In den meisten Fällen ist es auch nicht besonders aussichtsreich, sich mit dem jeweiligen Fonds in Verbindung zu setzen und die verantwortliche Person darum zu bitten, die vorzeitige Rücknahme der Anteile zuzulassen. Dies hat selten etwas mit Böswilligkeit zu tun, sondern liegt ganz einfach daran, dass das Kapital für einen bestimmten Zeitraum fest eingeplant ist und vielfach natürlich verwendet wurde, sodass es nicht einfach liquidiert werden kann.

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3 Kommentare

  1. Monika 30. November 2014 Reply

    Mein Vater hat in den 80er Jahren Anteile an einem geschlossenen Fonds erworben, die nach seinem Tod an unsere Mutter, dann an uns Kinder weitervererbt wurden/werden. Z.Zt bezahlt unsere Mutter ca 5.000 Euro im Jahr an Unterhalt. Die Fonds lassen sich nicht veräussern bzw verschenken, da alle über-300 Eigner zustimmen müssten und manche diese Zustimmung verweigern, weil sie sich noch immer ein Geschäft erhoffen, obwohl sich kein Gesamtkäufer finden lässt. Je mehr Anteilseigner sterben bzw zahlungsunfähig werden, desto mehr stehen wir in der Pflicht, jährlich immer mehr zu bezahlen.
    Meine Frage ist: Muss jeder geschlossene Fonds eine vertragliche Laufzeit haben? Z.Zt. fragen wir uns nämlich, ob es sich hier für uns um einen Alptraum handelt, der auch unsere eigenen Erben einmal betreffen wird……

  2. Raule 2. Juli 2015 Reply

    Hallo Herr Baumanns,

    wenn ich eine Beteiligung erbe, muss mich die Beteiligungsgesellschaft lt. Geldwäschegesetz identifizieren.

    § 3 Abs. 6 GWG besagt: „Kann der Verpflichtete die Sorgfaltspflichten nach Absatz 1 Nr. 1 bis 3 nicht erfüllen, darf die Geschäftsbeziehung nicht begründet oder fortgesetzt und keine Transaktion durchgeführt werden. Soweit eine Geschäftsbeziehung bereits besteht, ist diese vom Verpflichteten ungeachtet anderer gesetzlicher oder vertraglicher Bestimmungen durch Kündigung oder auf andere Weise zu beenden. …“

    Wäre das nicht eine Möglichkeit, durch Verweigerung der Identifizierung aus der Beteiligung herauszukommen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Raule

  3. Stephan 3. August 2016 Reply

    Ein sehr informativer Artikel mit einer ganz wichtigen Information. Insbesondere wenn man garnichts über dieses Thema weiß und dann ein Erbe eintritt, ist es wichtig dies zu wissen.

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