Berliner Testament kann Eheleuten helfen

© Iurii Sokolov - Fotolia.com
Besonders Eheleuten stellt sich bezüglich einer eventuellen Nachlassregelung häufig die Frage, wie sich beide Partner optimal absichern können. Möglich ist dies durch das sogenannte Berliner Testament, im Zuge dessen sich die beiden Ehepartner zu jedem Zeitpunkt gegenseitig als alleinige Vollerben einsetzen können. Falls dann einer der beiden Partner verstirbt, erhält der überlebende Ehepartner das gesamte Vermögen, während die Kinder erst erben, nachdem auch der zweite Ehepartner verstorben ist. Auch wenn das Berliner Testament eine gute Möglichkeit bietet, wie sich Ehepartner gegenseitig absichern können, so können etwaige Kinder dennoch nicht komplett von der Erbschaft ausgeschlossen werden. Denn auch wenn der zweite Ehepartner noch nicht verstorben ist, haben die Kinder zuvor ein Anrecht auf ihren Pflichtteil. Demzufolge haben die Kinder das Recht, vom überlebenden Elternteil die Hälfte von dem Wert zu fordern, der ihnen per Gesetz aufgrund der gesetzlichen Erbfolge zustehen würde. Es ist also nicht möglich, durch das Berliner Testament zu verhindern, dass die Kinder überhaupt nicht an der Erbschaft des zuerst verstorbenen Ehepartners teilhaben. Es gibt allerdings zumindest die Möglichkeit, eine sogenannte „Pflichtteilsstrafklausel“ in das Testament einzubauen. Diese Klausel beinhaltet, dass das Kind unter der Voraussetzung, dass es nach dem Tod des ersten Ehepartners seinen Pflichtteil einfordert, nach dem Tod des zweiten Ehepartners ebenfalls nur den ihm zustehenden Pflichtteil erhält.

Pflichtteilsstrafklausel kann für Kinder erhebliche Einbußen bedeuten

Ist eine Pflichtteilsstrafklausel im Testament vorhanden und macht das Kind nach dem Tod des ersten Ehepartners tatsächlich von seinem Recht Gebrauch, den Pflichtteil einzufordern, so würde es in den meisten Fällen nach dem Tod des zweiten Elternteils deutlich weniger erben, als wenn es auf seinen Pflichtteilsanspruch verzichtet hätte. Um zu verdeutlichen, welche finanziellen Einbußen dies für ein Kind bedeuten kann, falls es nicht auf seinen Pflichtteilsanspruch verzichtet, kann das folgende Beispiel angeführt werden. Angenommen, ein Ehepaar hat drei Kinder und ein Berliner Testament mit Pflichtteilsstrafklausel verfasst. Das Vermögen des Ehepaars beläuft sich auf insgesamt 300.000 Euro. Verstirbt nun der Vater, würde die Hälfte des Vermögens, also 150.000 Euro, vererbt werden. Eigentlich steht dieser gesamte Betrag nun der Mutter zu, allerdings macht ein Kind von seinem Pflichtteilsanspruch Gebrauch und würde daher 1/12 des gesamten Erbes erhalten (die Hälfte des gesetzlichen Erbteils), also in diesem Fall 12.500 Euro. Dies hat natürlich zur Folge, dass das Kind nach dem Tod der Mutter auch nur noch einen Pflichtteilsanspruch hat. Hinterlässt die Mutter beispielsweise die gesamten 300.000 Euro, so erhält das Kind dann nicht ein Drittel dieses Erbes, sondern nur seinen Pflichtteil, der 1/6 des Nachlasses betragen würde. Im Beispielsfall wären dies 50.000 Euro. Insgesamt hätte das Kind also 62.500 Euro geerbt. Hätte das Kind hingegen nach dem Tod des Vaters auf seinen Pflichtteilsanspruch verzichtet, so hätte das Erbe insgesamt (nach dem Tod beider Elternteile) 100.000 Euro betragen.

Über den Autor

Oliver BaumannsAlle Artikel von Oliver Baumanns

0 Kommentare

Kommentar schreiben

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*